Mehr funktionelle Eigenständigkeit für das Institut Lao‑Luxembourgeois du Coeur

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Dr. Richard Schneider

discours-photo12013 feiern wir das zehnjährige Bestehen der Herzchirurgie in Laos sowie das fünfzehnte Gründungsjubiläum unserer NRO. Der offizielle Bericht über die humanitäre Entwicklung der Vereinten Nationen stuft die Republik Laos als eins der ärmsten Länder der Welt ein. Deswegen beschloss die ADS dem Land auf der Ebene der kardiovaskulären Medizin zu helfen. Unter den gegebenen Umständen sind es vor allem die ärmsten und unterprivilegierten Schichten der Gesellschaft, denen der freie Zugang zum Gesundheitswesen verwehrt bleibt. Dementsprechend entschied die ADS auf diesem Gebiet tätig zu werden, denn gerade junge Leute, Kinder und auch Säuglinge leiden sowohl unter rheumatischen als auch kongenitalen Herzfehlern. Eine gezielte und rechtzeitige Behandlung vermag dagegen diese unheilvolle Entwicklung positiv zu beeinflussen. Auf diese Weise kann die ADS ihren Kampf gegen die Armut fortzusetzen und Leben und Zukunft zahlreicher junger Patienten verbessern.

Das Wirken der ADS geht zurück auf das Jahr 2002. Zahlreiche entscheidende Fortschritte konnten im Laufe der Jahre gemacht werden. Zuerst musste die Zusammenstellung von medizinisch-chirurgischen Einsatzteams regelrecht improvisiert werden. Die Ausbildung war recht zeitaufwändig und beinhaltete spezifische Fortbildungsmaßnahmen in den europäischen und asiatischen Ländern, v. a. auch ein langes und ausgefeiltes Praktikum vor Ort, ging es doch darum alle Mitwirkenden auf einen hohen Kompetenzstand zu bringen, wozu Fachwissen, gesicherte Erkenntnisse über den Verlauf der Krankheit und Leistungsbereitschaft auf dem Gebiet der medizinisch-technischen Eingriffe gehören. Gegenwärtig kann man davon ausgehen, dass es dank eines gut ausgebildeten laotischen Teams möglich geworden ist vor Ort Patienten mit Herzdefiziten am offenen Herzen zu operieren, wobei die laotischen Ärzte den gesamten Verlauf der Patientenversorgung in eigener Regie übernehmen. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurden 1200 Patienten in einem speziell dafür ausgestatteten Gebäude, dem Institut Lao-Luxembourgeois du Coeur, operiert, mit ausgezeichnetem Ergebnis, d. h. mit einer äußerst geringen Rückfälligkeits- und Sterberate, nicht anders als in den westlichen Ländern.

Nach einer zehnjährigen Ausbildung sind die laotischen Chirurgen fähig allein und ohne fremde Hilfe Operationen auf dem gesamten Gebiet der Herzerkrankungen von Erwachsenen durchzuführen, aber sicher ist die ADS noch unentbehrlich bei der Behandlung der ärmsten (nicht zahlungsfähigen) Patienten und einiger komplizierter Fälle von kongenitalen Herzerkrankungen. Nunmehr geht es darum das Projekt zu konsolidieren durch den Erwerb neuer Erkenntnisse, durch eine verlässlichere Ermittlung der kongenitalen und rheumatischen Kardiopathien, eine immer stärkere Implikation des laotischen Personals in die therapeutische Betreuung und, nicht zuletzt, in die Verwaltung des Projekts. Zu diesem Zweck wurde seither an der medizinischen Fakultät des Uniklinikums in Vientiane eine fachärztliche Ausbildung für Kardiologen angeboten mit einem Abschlussdiplom für eine Spezialisierung, das nach drei Jahren (2008-2011) dem Land seine ersten zehn offiziell anerkannten Kardiologen beschert hat.

Die ADS ihrerseits hat in der Provinz Champassak, einer der bevölkerungsreichsten und ärmsten Regionen des Landes, ein für die Öffentlichkeit bestimmtes Gesundheitsprojekt ins Leben gerufen, das Aufkommen und Verbreitung des akuten Gelenkrheumatismus bei Kindern anvisiert und damit ein Programm vorbeugender Maßnahmen verknüpft. Dieses Pilotprojekt begreift Ultraschalluntersuchungen an 20 000 Kindern (2008-2011), deren Ergebnisse vom öffentlichen Gesundheitswesen statistisch ausgewertet werden.

Es ist nunmehr hinlänglich bekannt, dass die Mediziner des lao-luxemburgischen Instituts das nötige Fachwissen, was die Rekrutierung der Kranken angeht, erworben haben, und so verwundert es nicht, dass Patienten aus dem ganzen Land herbeiströmen.

Um das Raster der medizinischen Ermittlung und Behandlung noch engmaschiger und damit funktionaler zu gestalten, verstärkt die ADS ihre regionalen Erhebungen und organisiert während dieser Missionen gezielte Untersuchungen in den wichtigsten Städten der Provinz, v. a. in Paksé, Savannaketh und Luang Prabang. Um eine bessere Aufnahme und Betreuung der herzkranken Patienten in der Provinz zu ermöglichen und ein rascheres Auslesverfahren vor Ort für diejenigen Patienten zu garantieren, die sich unverzüglich einem chirurgischen Eingriff in Vientiane unterziehen müssen, richtete die ADS in den Monaten Februar und Juni zwei kardiologische Intensivstationen ein (Paksé und Savannaketh, Februar und Juni 2013).

Gleichzeitig wurden die Fortbildungsmaßnahmen für das medizinische und paramedizinische Personal vor Ort und im Institut in Vientiane intensiviert. Außerdem schuf die ADS ein mit dem Institut verbundenes telemedizinisches Kommunikationsnetz, was die medizinische Isolierung der in entlegenen Landesteilen wirkenden Ärzte entschärft, indem es ihnen ermöglicht Auskünfte bei fachverwandten Arbeitsgruppen einzuholen. Das überregionale für die Gesundheitserziehung zuständige Fernsehen ist ein wichtiges didaktisches Mittel für alle Fachkräfte im Gesundheitswesen, verhindert darüber hinaus umständliches, zeitraubendes und kostenaufwändiges Reisen von einem Ort zum andern und garantiert eine ununterbrochene, zuverlässige medizinische Betreuung an den regionalen Anlaufstellen.

Mit der Zeit ist aber noch ein anderes Wirkungsfeld der ADS in den Fokus gerückt. Es betrifft das knifflige Problem der Krankenhausverwaltung und der wirtschaftlichen Struktur des Gesundheitswesens (Kostenberechnung). Hier bleibt noch viel zu tun, denn die Einsicht in die Notwendigkeit einer wirksamen und modernen Haushaltsführung steht erst an ihren Anfängen. Auch hierfür werden entsprechende Fortbildungskurse angeboten, deren Umsetzung vor Ort viel versprechend erscheint. Ein Erfolg würde aus dem Institut so etwas wie eine Pionieranstalt zur gründlichen Umgestaltung des landesweiten Gesundheitswesens machen. Die Erarbeitung und das Erstellen von Mitteln und Objektiven der Krankenhausverwaltung muss notgedrungen begleitet werden vom entschiedenen Willen zur finanziellen und wirtschaftlichen Eigenständigkeit. Die ADS setzt besonders auf diese zielorientierte Nachhaltigkeit ihres Engagements, ist aber doch sehr auf den guten Willen, das administrative Geschick und die politische Einsicht ihrer lokalen Partner angewiesen. Es wird noch Jahre dauern, bis die ADS dieses Ziel auch nur halbwegs erreicht und ihr Versprechen eingelöst hat. Immerhin erlaubt es das vom laotischen Gesundheits- und Innenministerium aufgestellte Organigramm einigermaßen optimistisch in die Zukunft zu sehen, was die Krankenhausverwaltung angeht.

Das vorrangige Ziel wird nunmehr sein den laotischen Partnern dabei zu helfen den Haushalt des Gesundheitswesens so auszurichten, dass sie in der Lage sind das Institut autonom zu verwalten und allmählich auch auf dem Gebiet der Kinderkardiologie selbständig werden.

Trotz der nicht nachlassenden Begeisterungsfähigkeit des ADS-Teams hätten diese Ergebnisse nicht ohne die Unterstützung folgender Personen und Institutionen erreicht werden können:

  • Wir danken im Namen der geretteten Kinder den großzügigen Spendern, deren Beitrag oft unterschätzt wird, dafür, dass sie diesen Kindern das Leben und eine bessere Lebensqualität geschenkt haben.
  • Wir sind der luxemburgischen Regierung zu großem Dank verpflichtet, weil sie durch ihre internationale Kooperationspolitik zu Gunsten der Entwicklungsländer erhebliche finanzielle Ressourcen mobilisiert, ohne die kein Projekt dieser Größenordnung von Bestand wäre.
  • Wir fühlen uns ebenfalls der laotischen Regierung sehr verpflichtet, weil sie durch ihr Vertrauen und ihre Handlungsbereitschaft das Gesundheitswesen des Landes umgestaltet hat und so die unverzichtbare Antriebskraft nicht nur der Veränderungen im Gesundheitswesen, sondern auch des nationalen Wohlergehens ist.
  • Danken möchten wir auch allen laotischen Mitwirkenden, den Ärzten, Krankenbetreuern, Ingenieuren und Technikern, die sich mit Leib und Seele für das Projekt eingesetzt haben.

Die ultimative Zielsetzung der ADS besteht darin, allen Betroffenen in der Republik Laos eine qualitativ hochwertige Krankenbetreuung anzubieten und zukommen zu lassen. Die positiven Ergebnisse und die Leistungsbereitschaft der laotischen Akteure verpflichten uns unsere humanitäre und finanzielle Unterstützung fortzusetzen im Sinne einer nachhaltigen Hilfe zu Gunsten der laotischen Kinder.